Reise am 14. November 2010 nach Caputh & Potsdam
Ein Reisebericht von Herrn Dr. Dieter Herrig.
Reise zu EINSTEIN-Stätten
Vers-Protokoll einer Bildungsreise von URANIA Schwerin und LANDREISEN Schwerin
Orte: Potsdam und Caputh
Zeit: Sonntag, 14. November 2010
Teilnehmer: 19 aus Schwerin und Umgebung
Reiseleiter: Ralf Donner, Urania Schwerin
Reiseführer: Dr. Axel Hofmann (in Potsdam), Erika Britzke (in Caputh)
Reisefahrer: Gerd Schuldt, LANDREISEN Schwerin
Protokollant: Dr. Dieter Herrig 1), Schwerin
Achtung: Das Protokoll ist nur an den ernst gemeinten Stellen ernst gemeint.
Der Grund
Wer sonntags sonst bis 8 Uhr schlief,
der schlief recht lange, relativ.
Doch heute, flugs, geht’s früh wie nie
zum Gründer einer Theorie,
die zeigt, dass sich die Zeiten dehnen,
wenn wir nicht still im Bette gähnen.
Es geht zu EINSTEIN2), geht zum Turm,
der aussieht wie ein Zeugungs-Wurm;
es geht zum Sommerhaus hinaus,
dem Muster für ein Fertig-Haus;
es geht zum Schloss dann in Caputh -
in diesem Tempo, kurz und gut.
Die Fahrt
Noch trübe ist der Tag und trist,
und wenn nicht wäre, was ja ist,
fiel’s Auge zu; ein Stein vom Herzen
fällt uns, Tristesse auszumerzen.
Links Neuruppin, der SCHINKEL-Ort3),
und auch FONTANE4) stammt von dort,
von dem man kennt und gern sie liest:
ARDENNEs Oma, „Effi Briest“5).
Der Telegrafenberg
In Potsdam, also in der Mark,
da steht der Albert-Einstein-Park
hier auf dem Telegrafenberg6)
für Wissenschaftler und ihr Werk:
- sie schauen an die Himmels-Sterne
und die Galaxien in der Ferne
- sie sammeln Daten in der Fülle
von uns’rer Atmosphären-Hülle
- sie zeigen Folgen für die Erde,
falls Klima sehr bedrohlich werde.
Nun stehen wir direkt davor -
vor dem Refraktor-Bau und -Tor,
wo HARTMANN7) einstmals fündig war -
Materie fand, inter-stellar,
und wo einst SCHWARZSCHILD8) elegant
den Grund für Schwarze Löcher fand,
und zwar in EINSTEINs Theorie -
hier wirkte manches Top-Genie !
Wir gehen nun zum EINSTEIN-Turm,
dess’ Zweck war, was der Sonnen-Sturm
und was die Sonne noch so macht,
zu finden; dabei stets bedacht,
wie unser feurig’ Massenball
Licht rotverschiebt, verbiegt9) im All.
Und MENDELSOHN10), der Architekt,
er ward vom Biegen angesteckt:
Es ist gebogen klug das Haus -
ja, ERICH hat den Bogen ’raus !
Die ersten Skizzen von dem Dings,
sie ähneln sehr Ägyptens Sphinx11) -
der birgt Geheimnis, kennt das Ziel -
„organisch“ heißt und passt der Stil !
Und ab und an saß EINSTEIN schon
auf dem Gestühl von MENDELSOHN,
auf dem wir heute hier gesessen -
die Sitzung bleibt uns unvergessen !
Das Sommerhaus
Es wird noch besser, super-nett:
wir landen gar in EINSTEINs Bett,
genauer: zwischen Wand und Wand,
wo einst des Meisters Bette stand.
Wir sind, der Leser merkt es schnell,
im Dorf Caputh, hier an der Stell’,
wo ELSA12), EINSTEINs zweite Frau,
mit WACHSMANN13) plant’ den Sommer-Bau:
Ein Haus aus Fertig-Teilen, schlicht,
doch uniform ? So ist es nicht !
Es ist durchdacht und gut gemacht.
Drei Sommer wurd’ gelacht, gedacht …
Für EINSTEIN war ein Haus wie dies’
am Hang zum See das Paradies !
Sehr int’ressant: Vom Haus nicht fern,
da steht das Haus vom Nachbar STERN14):
Nicht Holz, Beton als Fertig-Teile -
zwei Häuser, eine Fortschritts-Meile.
Der Zweck, er braucht Verzierung nicht -
die schönste Zierde, die ist schlicht …
P.S.: Der Hausherr wollt’, es sollten sein
im Gästebuch nur Verselein15).
Das Schloss
Im Schloss - der Schlichtheit Gegenteil:
viel Prunk, auch Protz und „Pornos“ geil,
mit einer Treppe, hoch hinauf,
doch hört sie auf nach kurzem Lauf.
Hier wohnt’ des Großen Kurfürsts16) Weib
und hatte ihren Zeitvertreib
mit Bildern und mit Porzellan
und mit dem Schloss-Erweit’rungs-Plan.
Doch halt: Das war wohl ungerecht,
gewiss war DOROTHE’17) nicht schlecht;
sie hatte Kinder, 7 plus 3,
der erste FRIEDRICH18) war dabei !
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Der Dank
Zusammenfassend auf der Stelle:
Ein Tag für intellektuelle
Freunde, Freuden und gewisse
Erlebnisse, Erkenntnisse.
Ein herzlich’ Danke den „Landreisen“ –
wir werden loben sie und preisen !
Fußnoten:
1) Dieter Herrig (*1940), Dr.-Ing., Dr.sc.techn., war vor der Rente zuletzt Direktor an der Nervenklinik Schwerin.
2) Albert Einstein (1879 - 1955), Nobelpreisträger, gilt wegen seiner Relativitätstheorien als einer der größten Denker.
3) Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841), Stararchitekt des Klassizismus, prüfte auch die Entwürfe zur Nervenklinik Schwerin.
4) H. Theodor(e) Fontane (1819 - 1898), Apotheker/Schriftsteller, schrieb 1894/95 den Roman „Effi Briest“ (2 Bände).
5) Elisabeth von Plotho musste 1873 den Baron Armand L. von Ardenne heiraten und wurde zum Vorbild für „Effi Briest“.
6) Der Telegrafenberg war um 1840 die vierte Station der optischen Telegrafenlinie Berlin - Koblenz (46 = 4096 Zeichen).
7) Johannes (Juan) Franz Hartmann (1865 - 1936), Astronom, entdeckte 1904 unsichtbare Materie zwischen Stern und Erde.
8) Karl Schwarzschild (1873 - 1916), Astrophysiker, gelang 1915 eine erste Lösung der Feldgleichungen Einsteins.
9) Refraktor und Spektroskop sollten Einsteins Vorhersage des gravitativen Rotverschiebungs-Effekts der Sonne verifizieren.
10) Erich Mendelsohn (1887 - 1953), Architekt, schuf 1920/21 den Einstein-Turm „um“ Refraktor und Spektroskop „herum“.
11) Ursprünglich war „die Sphinx“ grammatikalisch richtig, in der Fachsprache gilt aber „der Sphinx“ (natürliches Geschlecht).
12) Elsa Einstein, gesch. Löwenthal (1876 - 1936), Cousine Einsteins, wurde nach Scheidung von Mileva die zweite Ehefrau.
13) Konrad Wachsmann (1901 - 1980), Architekt/Ingenieur, gilt als Pionier der industriellen Vorfertigung von Häusern.
14) Adolf Stern (1873 - 19??), Regierungsbaumeister, verkaufte Einstein 1929 einen Teil seines Grundstücks.
15) Im Gästebuch standen deshalb Reime wie „Klaue - Laue“ (Max von Laue) oder „Händl - Mendel“ (Freundin Toni Mendel).
16) Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620 - 1688), Kurfürst, führte Preußen zur Großmacht, deshalb „Großer Kurfürst“.
17) Dorothea Sophie von Braunschweig (1636 - 1689) hatte 7 Kinder und 3 Stiefkinder, darunter Friedrich, später König.
18) Friedrich I. in Preußen (1657 - 1713), erster Preußen-König, war der Großvater von Friedrich II., dem „Alten Fritz“.
